Wenn aus »Bedrohung« ein Spiel wird

Warum sind wir kitzelig,
können uns selbst aber nicht kitzeln?

Es gibt Stellen am Körper, an denen sind die meisten Menschen furchtbar kitzelig. Vor allem an den Fußsohlen und am Oberkörper. Warum bloß?

Kitzeln und Lachen sind eng miteinander verbunden. Wir lachen, wenn eine Situation eine überraschende Wendung nimmt. Das passiert auch, wenn wir gekitzelt werden. Ein Mensch, der die Grenze zu unserer Privatsphäre überschreitet, wird instinktiv erst einmal als Eindringling, als Bedrohung wahrgenommen. Wenn er uns dann aber nur sanft oder neckend berührt, wird aus der Bedrohung ein Spiel: Deshalb sind wir kitzelig und lachen. Warum manche Leute kitzelig sind, andere hingegen gar nicht, ist ungeklärt.

Wieso können wir uns selbst nicht kitzeln?, oder: Warum Selber-Kitzeln nicht lustig ist
Ein britisch-kanadisches Forscherteam hat entdeckt, warum Menschen sich nicht selber kitzeln können: Bei Berührungen mit der eigenen Hand berechnet das Gehirn den Zeitpunkt des Kontakts voraus und dämpft alle Nervensignale, die um diesen Zeitpunkt herum vom entsprechenden Körperteil ausgesendet werden. Dadurch gelangen unwichtige Reize nur schwach oder gar nicht ins Bewusstsein, und das Gehirn kann sich besser auf wichtige Signale aus der Umwelt konzentrieren.

Damit das Gehirn nicht von der Fülle der Informationen, die ständig auf unsere Sinne einströmen, überfordert wird, muss es eine strikte Prioritätenliste erstellen. Ganz oben auf dieser Liste stehen alle Reize, die von außen an den Körper herangetragen werden, wie optische und akustische Signale sowie Berührungen durch fremde Gegenstände. Berührungen mit der eigenen Hand oder auch einem anderen Körperteil rangieren dagegen auf der Prioritätenliste ganz unten, da solche Reize dem Gehirn keine neuen Informationen liefern.